Vom "Elektro-Motor" Österreichs zum europäischen Energiekonzern
Der Verbund ist der Zweiten Republik seit Jahrzehnten eng verbunden. Diente er zunächst als kraftvoller "Elektro-Motor" für den Wiederaufbau des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg, so hat sich der Verbund seit dem EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995 zu einem Unternehmen europäischer Dimension entwickelt.

1947-50
Als der Verbund im Jahre 1947 mit dem 2. Verstaatlichungsgesetz als "Österreichische Elektrizitätswirtschafts-AG" gegründet wird, verbraucht ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt 140 Kilowattstunden Strom im Jahr. Das ist weniger, als heute ein einziges Fernsehgerät plus Videorekorder im Standby-Modus benötigt. In den Nachkriegsjahren ist in Österreich auch Strom Mangelware, häufig kommt es zu Abschaltungen. Das Wort "Lastverteiler" ist in der Bevölkerung höchst unbeliebt. In dieser Situation erhält der Verbund vom Gesetzgeber die Aufgabe, Österreichs Elektrizitätssystem wieder auf- und auszubauen.
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1950-60
Anfangs fehlt es auch in der E-Wirtschaft an dringend nötigem Kapital. Doch der US-amerikanische Marshall-Plan (European Recovery Program) leistet Starthilfe, und die ERP-Programme bringen weitere Finanzmittel, ehe 1953 die erste Energieanleihe mit Steuervorteilen begeben wird. Schrittweise baut der Verbund Erzeugung und Netz aus; jede neue Leitung oder Schaltanlage ist ein Grund zum Feiern. Die Erbauer der Kraftwerke Kaprun oder Ybbs-Persenbeug werden gar wie Helden verehrt. Im Staatsvertragsjahr 1955 kann das zuvor auf Importe angewiesene Österreich seinen Strombedarf erstmals wieder aus eigenen Quellen decken.
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1960-70
Das rasante Wirtschaftswachstum sorgt für eine Trendumkehr: 1965 werden weniger als drei Viertel des benötigten Stroms im Inland erzeugt. In der Hochkonjunktur finden zudem die Baufirmen nicht ausreichend Arbeitskräfte für große Kraftwerksneubauten. Bald muss im Winter wieder Strom importiert werden.
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1970-80
"Rettung" verheißt die Kernenergie, die in einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Verbund und Landesgesellschaften genutzt werden soll. Kaum ist das Atomkraftwerk Zwentendorf fertig, entscheidet die Bevölkerung 1978 in einer Volksabstimmung gegen die Inbetriebnahme. Die Regierung verankert daraufhin den Verzicht auf Atomkraft in der Verfassung - eine große Zäsur in der Energiepolitik der Zweiten Republik.
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1980-90
Um Engpässen vorzubeugen, werden Anfang der 1980er-Jahre große Kohlekraftwerke wie Dürnrohr oder Mellach errichtet und der Ausbau der Donau wird forciert. Mit der Verhinderung des Donaukraftwerks Hainburg erfährt diese neue Energiepolitik 1984 einen weiteren gravierenden Einschnitt. Das Ende von Großkraftwerksbauten scheint gekommen. 1988 stellt ein bedeutendes Jahr für den Verbund dar, als 49 % des Unternehmens im Zuge eines Börseganges privatisiert werden und der Verbund die Bundesanteile an den Sondergesellschaften (wie Donaukraft, Tauernkraft oder Draukraft) übernimmt.
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1990-2000
1991 stimmen drei Viertel der Wiener Bürger bei einer Volksbefragung dem Donaukraftwerk Freudenau zu. Das mit hohen Umweltauflagen errichtete Kraftwerk geht 1998 ans Netz. 1995 läutet die EU-Mitgliedschaft Österreichs eine neue Ära auch für den Verbund ein. Er nutzt die sich daraus ergebenden Chancen, restrukturiert sich zu einem modernen Konzern und internationalisiert sein Geschäft.
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2000-
Schon vor der Totalöffnung des österreichischen Strommarkts im Jahr 2001 ist der Verbund fit für den Wettbewerb in Europa. Im neuen Jahrtausend fährt der Konzern auf Erfolgskurs. Binnen weniger Jahre verdoppelt der Verbund den Stromabsatz und die Umsatzerlöse und wächst von einem führenden österreichischen Unternehmen zum viertgrößten Wasserkrafterzeuger Europas mit Beteiligungen in Frankreich, Italien und der Türkei.
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